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Geschichte Ungarns

Habe für meine Berichte über Ungarn zur leichteren Übersicht, folgende Unterteilung gemacht.

Eines der ältesten menschlichen Gebeine Europas wurde in Ungarn entdeckt. Demnach war das Vértes Gebirge schon vor 500.000 Jahren von Jägern bewohnt. Auch die steinzeitlichen Funde im Bükk- und Mecsek- Gebirge lassen auf die Anwesenheit von Jägern und Sammlern schließen, die hauptsächlich von der Rentierjagd lebten.

Die im 5. Jahrtausend v. Chr. vom Balkan ins Karpatenbecken eingewanderten Völker verbreiteten Ackerbau und Viehzucht. Die zugewanderten Stämme siedelten vor allem im Südosten der Großen Tiefebene.

2000 Jahre später, während des Kupfer- und des frühen Bronzezeitalters, eroberten indoeuropäische Volksstämme die Umgebung des heutigen Budapest. Die Stammesführer wohnten mit ihren Familien in Erdburgen, an deren Stelle in späterer Zeit meist Steinburgen entstanden.

Um 1000 v. Chr. lebten Vertreter der sogenannten Urnenfeldkultur im heutigen Westungarn. Ihren Namen erhielten sie nach ihrem Totenkult: Sie verbrannten ihre Toten und setzten die Asche bei. Sie wurden von den Skythen, die einige Wissenschaftler als die Vorfahren der UR-Ungarn ansehen, und von den Kelten abgelöst.

Um 600 v. Chr. lassen sich Illyrer und Skythen, ein Nomadenvolk aus der Schwarzmeer Region, im Karpaten Becken nieder.

Um 10 v. Chr. unterwerfen die Römer Transdanubien und gliederten es dem Römischen Reich an. Die Hauptstadt dieser Provinz war zunächst Savaria (Szombathely). Nach der Teilung der Provinz in Ober- und Niederpannonien wurde Carnuntum (Deutsch-Altenburg im heutigen Niederösterreich) Hauptstadt von Oberpannonien, Aquincum (Óbuda) Verwaltungszentrum von Niederpannonien.

Auch die Große Tiefebene jenseits der Theiß war ab 105 n. Chr. römische Provinz (Dacia). Als im Zuge der Völkerwanderung Vandalen, Gepiden und Westgoten ins Karpatenbecken vordrangen, zogen sich die Römer aus dieser Region zurück.

Die aus Asien vorstoßenden Hunnen vereinigten als Erste die drei großen ungarischen Landschaften Transdanubien, die große Tiefebene und Siebenbürgen unter ihrer Herrschaft. Ihr Reich bestand ab 454 mehr als ein Jahrhundert lang. 568 brachen die turkstämmigen Awaren ein und beherrschten bis zum frühen 9. JH. Das Karpatenbecken

803 wurde das Awarenland von Karl dem Großen zerschlagen. Ab dieser Periode war Transdanubien eine Grenzprovinz des Fränkischen Reiches. Einige Jahrzehnte später gehörte die Kleine Tiefebene zum Großmährischen Reich und die Große Tiefebene bzw. Siebenbürgen standen unter bulgarischer Tributpflicht.

Das Jahr 894 bedeutete einen Wendepunkt in der Geschichte der Region. Zu dieser Zeit erschienen die ersten Magyaren im Pannonischen Becken. Fürst Árpád, der Namensgeber der künftigen Königsdynastie, wurde von der nationalen Überlieferung zum alleinigen Anführer der Landnahme gemacht, bekleidete aber wohl neben zwei weiteren Würdenträgern (Kende und Harka) das Amt des Gyula, des obersten Heerführers.

In zahlreichen Raubzügen stießen die wegen ihrer schnellen Reiterei und ihrer überlegenen Kriegstaktik gefürchteten Ungarn nach Westen und Süden vor. Erst die vernichtende Niederlage auf dem Lechfeld bei Augsburg (955) durch das Heer von Otto I. hielt sie vor weiteren Raubzügen zurück.

Die Hinwendung zum Christentum und die unter Großfürst Géza vollzogene politische Entmachtung der Stammesfürsten ebneten den Weg für eine christliche Monarchie nach dem Vorbild westeuropäischer Staaten: Stephan I. (der Heilige), Sohn von Géza, wurde im Jahre 1000 zum ersten ungarischen König gekrönt.

Die Hauptresidenz von Stephan I. war Székesfehérvár.

Im späten 11. JH. wurden Dalmatien und Kroatien mit der strategisch wichtigen Küstenlandschaft annektiert. 1241 verwüsteten die einfallenden Mongolen das Land. 1301 starb das ungarische Königshaus aus und in den darauffolgenden anderthalb Jahrhunderten versuchten verschiedene Dynastien aus benachbarten Staaten, das Land zu beherrschen. Die fremden Könige hatten einen schweren Stand gegenüber dem erstarkten Adel. Um seine Macht zu festigen, verlegte König Karl I. Robert von Anjou seine Residenz nach Visegrád.

1514 riefen die Franziskaner zu einem Kreuzzug gegen die Osmanen auf. Sie bewaffneten die Bauern, doch diese nutzten die Chance, sich gegen die verhassten Großgrundbesitzer aufzulehnen. Der Bauernaufstand wurde blutig niedergeschlagen, die Abhängigkeit der Bauern in der >>ewigen Schollengebundenheit<< für lange Zeit festgeschrieben.

Die ungarische Armee mit König Ludwig II. an der Spitze erlitt am 29. August 1526 bei Mohács, eine vernichtende Niederlage gegen das übermächtige türkische Heer. Die bedeutete den Beginn der türkischen Besetzung und Aufteilung Ungarns, das für die nächsten vier Jahrhunderte als selbständige Macht von der politischen Landkarte verschwand. Das Land wurde in drei Teile zerrissen.

Zu dieser Zeit verbreitete sich der Protestantismus, insbesondere der Calvinismus. in Ungarn. Vor allem in den östlichen Gebieten traten viele zu dem neuen, von den Habsburgern bekämpften Glauben über.

Ungarn blieb den ständigen Angriffen der Türken ausgesetzt, und die Habsburger benutzten es als Puffer für ihre Grenzen. Als sich nach dem Frieden von Vasvár 1664 herauskristallisierte, dass trotz militärischer Erfolge gegen die Türken die Habsburger ihre repressive Politik in Ungarn fortsetzten, verbündete sich der Hochadel von Transdanubien und Oberungarn unter Ferenc Graf Wesselényi gegen Wien. Doch der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen. Die geflüchteten Ungarn, Kuruzzen genannt, erhoben sich 1678 – 1685 erneut gegen die Kaiserlichen unter Führung von Imre Graf Thököly, der vergeblich auf die Unterstützung der Osmanen setzte.

Die Habsburger holten unterdessen zum letzten und entscheidenden Schlag gegen die Türken aus. Unterstützt von den Heeren Polens und Venedigs, gelang ihnen 1686 die Rückeroberung Budas und 1688 die Einnahme Belgrads. Im Jahre 1699 war die 150 jährige Türkenherrschaft in Ungarn beendet.

Als Bauernrevolte, die sich bald zu einem nationalen Unabhängigkeitskampf ausweitete, begann 1703 der letzte Aufstand gegen die Herrschaft des Wiener Hofs, den Ferenc Rákóczi II. anführte. Die Überlegenheit der kaiserlichen Truppen führte zum Scheitern des Freiheitskampfes. Im Frieden von Szatmár (1711) wurde den Ungarn Religionsfreiheit und die Achtung der Ständeverfassung zugebilligt.

Maria Theresia (1740-1780) trieb die Integration Ungarn in die habsburgische Monarchie weiter voran. Ihr Sohn und Nachfolger, der im Geist des aufgeklärten Absolutismus erzogene Joseph II., schaffte die Leibeigenschaft der Bauern ab und beschränkte die Macht des Klerus und des Adels.

Unter König Franz II. (1792-1835), ab 1804 Kaiser von Österreich, wurden jedoch alle fortschrittlichen Ansätze rückgängig gemacht und Ungarn mit absolutistischer Macht beherrscht. Der jakobinische Aufstand endete 1795 mit der Hinrichtung der Anführer auf der Budaer Blutwiese. Doch obwohl der Widerstand auf breiter Front gebrochen war, mussten die Habsburger einsehen, dass Ungarn nicht ohne die Mitwirkung der Komitate regiert werden konnte. Zum ersten Mal seit 13 Jahren wurde deshalb 1725 in Preßburg wieder ein Landtag einberufen.

Im März 1848 brach die bürgerliche Revolution aus. Die vom Dichter Sándor Petöfi geführte Märzjugend stellte in 12 Punkten ihre Forderung auf. Wien akzeptierte Lajos Graf Batthyány als ersten Ministerpräsidenten Ungarns. Im Herbst 1848 begannen die Habsburger die Errungenschaften rückgängig zu machen. Der Landtag floh nach Debrecen und Lajos Kossuth verkündete dort am 14. April 1849 die Absetzung der Habsburger. Er selbst wurde zum Reichsverweser bestimmt. Mit russischer Hilfe gelang Österreich allerdings bereits im Herbst der endgültige Sieg über die revolutionären Truppen. Blutiger Terror folgte auf die Niederschlagung der Revolution: 13 ungarische Generale wurden in Arad (heute Rumänien), Lajos Graf Batthyány in Pest hingerichtet. Lajos Kossuth floh ins Ausland. Nach der Revolution sank Ungarn auf den Status einer österreichischen Provinz herab. Ihre antiösterreichische Haltung brachten die Ungarn mit passivem Wiederstand zum Ausdruck. Die Lage änderte sich, als Österreich im Krieg gegen Preußen bei Königskrätz eine schwere Niederlage erlitt und Habsburg im europäischen Mächtespiel an Gewicht verlor. Kaiser Franz Joseph war deshalb gezwungen, mit Ungarn zu einer für beide Seiten befriedigenden Lösung zu kommen. Die Verhandlungen mündeten in den Ausgleich von 1867 durch den Ungarn als gleichberechtigter Partner akzeptiert wurde. Der österreichische Kaiser war zugleich auch der ungarische König. Graf Gyula Andrássy wurde zum Ministerpräsidenten ernannt. Ungarn erhielt ein eigenes Parlament, eine eigene Regierung und Territorialstreitkräfte.

Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Frau am 28. Juli 1914 in Sarajewo löste den Ersten Weltkrieg aus. Mit der Niederlage des an der Seite Deutschlands kämpfenden Österreich-Ungarns war auch die Herrschaft der Habsburger in Ungarn beendet. Durch den Waffenstillstand von Padua (Okt./Nov. 1918) wurde Ungarn ein selbstständiger Staat.

Durch den Friedensvertrag von Versailles-Trianon (4. Juli 1920) verlor Ungarn mehr als zwei Drittel seines bisherigen Territoriums und mehr als 60 % seiner Bevölkerung.

 

 

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